Babys beginnen schon sehr früh im Leben, die Handlungen anderer im Hinblick auf Ziele zu interpretieren. So verstehen sie beispielsweise schon lange vor ihrem ersten Geburtstag, wenn jemand versucht, eine Belohnung zu bekommen oder sich einem Freund zu nähern. Doch wie verhält es sich mit abstrakteren Zielen, etwa der Suche nach Informationen, um sich in einer neuen oder unsicheren Situation zurechtzufinden? Frühere Studien zeigen, dass Einjährige bereits erkennen, dass es sich lohnt, sich Wissen anzueignen: Sie erkunden ihre Umgebung systematisch, wenn sie mit Unerwartetem konfrontiert werden. Sie verfolgen auch, was andere wissen und wie dieses Wissen ihr Handeln beeinflusst (z. B. gehen sie davon aus, dass jemand, der gesehen hat, wo ein Spielzeug versteckt wurde, es auch finden kann). Könnten sie auch die Puzzleteile zusammenfügen und erwarten, dass andere bei Bedarf nach nützlichen Informationen suchen?
Die CEU-Forschenden Bálint Varga und Ágnes Melinda Kovács stellten zunächst die Frage, ob Babys einen Zusammenhang zwischen der Unsicherheit anderer und der Suche nach Informationen erkennen. Sie zeigten 14 Monate alten Babys einen Zeichentrickfilm über eine Figur, die immer eine Ente einem Fisch vorzieht. Die Tiere versteckten sich dann in separaten Kisten. In einigen Szenarien beobachtete die Figur, wie sich die Tiere versteckten; in anderen verpasste sie den Versteckvorgang und konnte nur die identischen Hüte der Ente und des Fisches sehen, die herausragten. In beiden Fällen machte die Figur einen Umweg zu einer Plattform, um in die Kisten hineinzuschauen, anstatt sich direkt einer zu nähern.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Babys beobachteten die Szene länger (ein Zeichen der Überraschung), wenn die Figur den Umweg nahm, obwohl sie bereits wusste, wo sich die Ente befand. Wenn die Figur jedoch den Versteckvorgang verpasst hatte, erschien ihnen der Umweg sinnvoll. Dabei ist anzumerken, dass die Babys immer wussten, wo sich die Ente befand; nur das Wissen der Figur variierte. Dies deutet darauf hin, dass 14 Monate alte Kinder erwarten, dass andere nach Informationen suchen, wenn sie sich über etwas, das für ihre Ziele relevant ist, unsicher sind.
Das Team untersuchte anschließend, ob Babys ähnliche Intuitionen in Bezug auf Neues haben. Die Teilnehmenden sahen sich Animationen an, in denen die Figur entweder zwei neue Tiere vollständig sah, bevor sie in die Kisten sprangen, oder sie nur zur Hälfte untergetaucht sah, sodass nur ihre Hüte zu sehen waren. Auch hier benutzte die Figur eine Plattform, um hineinzuspähen. Die Babys waren verwirrt, wenn die Figur die Kisten überprüfte, nachdem sie die Tiere bereits vollständig gesehen hatte. Wenn sie jedoch nur die Hüte gesehen hatte, gab es für sie etwas Neues zu entdecken, und die Babys verstanden, warum sie dorthin ging. Mit anderen Worten: Babys erkennen auch Neugier als Antrieb für die Suche nach Informationen.

Schließlich wollten Bálint Varga und Ágnes Melinda Kovács herausfinden, ob Kleinkinder davon ausgehen, dass andere es vorziehen, mit dem gleichen Aufwand ihr Lernen zu maximieren. In diesem Szenario versteckte sich eine Ente in einer von drei Kisten. Die Figur konnte zwischen zwei Plattformen wählen: Von der einen aus konnte sie zwei Kisten gleichzeitig sehen, von der anderen aus nur den Inhalt der dritten Kiste. Obwohl beide Plattformen gleich leicht zu erreichen waren, waren die Babys überrascht, wenn die Figur die Plattform wählte, die weniger Informationen lieferte. Es scheint, als wüssten Babys intuitiv, dass man bei der Suche nach Antworten dorthin schauen sollte, wo man am meisten lernen kann.

Diese in der renommierten Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass Babys ein differenziertes Verständnis für die Prinzipien der menschlichen Neugier haben. Bereits in überraschend jungem Alter wissen sie, wie wertvoll Informationen sind – nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere.
Artikel: Varga, B., Kovács, Á.M. (2025) Human infants appreciate that information bears value for other individuals. Scientific Reports 16, 448 (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-025-29952-w
